Bilder richtig reinigen und pflegen
Bilder reinigen je nach Oberfläche: Leinwand, Acrylglas und Rahmen mit Glas. Dazu Staub, Luftfeuchtigkeit, Sonnenlicht, ein Pflegeplan und häufige Fehler.
Aurecort
10/10/20269 min lesen
Ein Bild gilt als fertig, sobald es an der Wand hängt, dabei beginnt der größte Teil seines Lebens erst danach. Bilder reinigen und pflegen bleibt in den meisten Wohnungen bei zwei Extremen: Entweder wird das Bild nie angefasst, oder es bekommt eine allzu gut gemeinte Behandlung mit Glasreiniger. Beides hinterlässt Spuren. Dieser Beitrag klärt drei Entscheidungen: wie welche Oberfläche gereinigt wird, wo ein Bild hängen sollte, damit Staub, Feuchtigkeit und Sonne ihm wenig anhaben, und wann die Arbeit in fachkundige Hände gehört. Am Ende steht ein schriftlicher Pflegeplan, der im Jahr nur wenige Stunden kostet.
Warum Bilder pflegen vor dem Reinigen kommt
Drei Einflüsse schaden einem Bild, und alle drei arbeiten langsam. Staub setzt sich auf der Oberfläche ab und haftet, sobald Feuchtigkeit dazukommt. Feuchtigkeit lässt Papier und Holz arbeiten. Licht bleicht Farben aus, und zwar unumkehrbar. Jeder dieser Einflüsse summiert sich: An einem Tag sieht man nichts, nach fünf Jahren sehr wohl. Deshalb besteht Pflege zum größten Teil nicht aus Wischen, sondern aus den richtigen Bedingungen: die richtige Wand, der richtige Abstand, regelmäßiges, leichtes Abstauben. Das Reinigen ist der kleinste Teil der Pflege und der, der am meisten Zurückhaltung verlangt.
Die schützenden Materialien selbst, also UV-Glas und säurefreies Passepartout, behandelt der Beitrag zur Rahmung in Archivqualität. Hier geht es um das, was nach der Materialwahl zu tun ist.
Bilder reinigen je nach Oberfläche
Die erste Frage beim Reinigen lautet nicht „womit“, sondern „welche Oberfläche“. Dasselbe Tuch erfüllt auf der einen seinen Zweck und hinterlässt auf der anderen Kratzer. Bei den Arbeiten der Bilder-Serie kommen drei Oberflächen vor: Leinwand, Acrylglas und der Rahmen mit Glas.
Leinwand
Ein Leinwanddruck hat eine offene Oberfläche; davor liegt kein Glas, der Staub setzt sich also direkt auf das Gewebe. Gereinigt wird trocken: mit einem weichen, sauberen Pinsel, der nur dafür benutzt wird, oder mit einem trockenen, fusselfreien Tuch, von oben nach unten und ohne Druck. Wasser, Glasreiniger und Feuchttücher sind tabu; Feuchtigkeit verändert die Spannung des Gewebes und kann auf der bedruckten Fläche Flecken hinterlassen. Drücken Sie weder von vorn noch von hinten auf die Leinwand: Auf dem Keilrahmen gespanntes Gewebe kann die Delle behalten. Auf der Oberkante des Keilrahmens sammelt sich der meiste Staub; auch dort mit demselben Pinsel entlangfahren.
Acrylglas
Acrylglas ist leichter als Glas und schlagfest, verkratzt aber schneller und zieht Staub durch statische Aufladung an. Auf die Reihenfolge kommt es an: Zuerst wird der Staub mit einem sauberen, trockenen Mikrofasertuch ohne Druck abgenommen; erst danach, und nur bei Bedarf, wird mit einem zweiten, leicht feuchten Tuch gewischt. Wer über trockenen Staub reibt, lässt die Staubkörner wie Schleifpapier wirken. Küchenpapier, die raue Seite eines Schwamms und Reiniger mit Alkohol oder Ammoniak machen die Oberfläche matt. Oberfläche und Licht sind im Beitrag Acrylglas oder Leinwand ausführlich beschrieben.
Rahmen mit Glas
Das Glas selbst ist robust; das Risiko liegt darin, dass Flüssigkeit über die Glaskante in den Rahmen kriecht. Der Reiniger wird auf das Tuch gesprüht, nicht auf das Glas, und das Tuch ist feucht, nicht nass. An den Rändern ziehen Sie das Tuch zur Glasmitte hin, nicht zum Rahmen. Bei entspiegeltem Glas mit Beschichtung nur das verwenden, was der Hersteller empfiehlt; die Beschichtung ist empfindlicher als gewöhnliches Glas.
Die Rahmenleiste
Leisten aus Holz und lackierte Leisten werden mit einem trockenen Tuch abgewischt. Möbelpolitur und Sprühpflege gehören nicht an den Rahmen: Der feine Sprühnebel legt sich auf Glas, Passepartout und Leinwand. Wo die Leiste geschnitzt oder abgestuft ist, arbeitet ein weicher Pinsel besser als ein Tuch. Die Leiste selbst ist ein eigenes Thema; dazu der Beitrag Bilderrahmen auswählen.
Staub: wie oft und in welcher Reihenfolge
Wie oft abgestaubt wird, hängt vom Raum ab. In einem wenig genutzten Zimmer genügt alle zwei bis drei Monate; in einem Raum zur Straße, mit häufig geöffneten Fenstern oder mit Haustieren ist einmal im Monat angebracht. In Wohnräumen mit offener Küche bindet das Fett in der Luft den Staub an die Oberfläche; dort ist ein kurzer Abstand besser, als später wischen zu müssen.
Die Reihenfolge: zuerst die Oberkante des Rahmens, dann die Fläche, zuletzt die Unterkante. Andersherum fällt der Staub von oben auf das, was gerade gereinigt wurde. Halten Sie den Staubsauger vom Bild fern; berührt die Düse die Oberfläche, bleibt eine Spur. Beim Saugen oder Teppichausschütteln aufgewirbelter Staub bleibt eine Weile in der Luft; stauben Sie die Bilder also am Ende des Hausputzes ab, nicht am Anfang.
Luftfeuchtigkeit: was ein Bild am meisten beansprucht
Papier, Holz und Gewebe nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab; bei jedem Austausch dehnen sie sich ein wenig aus und ziehen sich ein wenig zusammen. Als allgemein anerkannt gilt ein Bereich von 40–60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, und ebenso wichtig wie der Wert selbst ist, dass er sich nur langsam ändert. Liegt die Feuchtigkeit lange über 65–70 Prozent, steigt das Schimmelrisiko; unter 35 Prozent trocknen Papier und Holz aus, Fugen können sich öffnen. Für die Temperatur ist ein Bereich von 18–24 °C geeignet.
Am einfachsten erfährt man den Wert mit einem kleinen Hygrometer im Raum; statt einer Schätzung sieht man eine Zahl. Feuchtigkeit lässt sich auch mit dem Auge lesen: Wellen im Passepartout oder im Papier, Beschlag an der Innenseite des Glases, kleine braune Punkte im Papier, Modergeruch hinter dem Rahmen.
Feuchte Wände und Räume
Bad und Küche eignen sich wegen Dampf und Fett weder für Arbeiten auf Papier noch für Leinwand. Außenwände kühlen im Winter aus; die warme Raumluft kann hinter dem Rahmen kondensieren. Kleine Abstandshalter an den unteren Ecken des Rahmens lassen einige Millimeter Luft zur Wand, sodass sie zirkulieren kann. An eine frisch gestrichene oder verputzte Wand wird kein Bild gehängt, bevor sie ganz trocken ist; je nach Material und Jahreszeit dauert das einige Tage bis einige Wochen.
Wärmequellen
Der Platz über dem Heizkörper ist aus zwei Gründen schlecht: Die warme Luft senkt die Feuchtigkeit rasch und trägt beim Aufsteigen den Staub mit nach oben. Der graue Streifen, der an der Wand über einem Heizkörper zu sehen ist, zeigt, dass dieselbe Luft über das Bild streicht. Die Wand, die eine Klimaanlage direkt anbläst, und der Platz über dem Kamin gehören in dieselbe Gruppe.
Sonnenlicht: ein Schaden, der sich nicht zurücknehmen lässt
Lichtschäden summieren sich und kehren sich nicht um: Eine ausgeblichene Farbe kommt im Dunkeln nicht zurück. Der Schaden ist das Produkt aus Lichtstärke und Dauer; lange Zeit bei wenig Licht und kurze Zeit bei viel Licht führen zum selben Ergebnis. Zur Einordnung: Museen zeigen empfindliche Arbeiten auf Papier bei etwa 50 Lux, robustere Arbeiten bei 150–200 Lux, während direkte Sonne durch ein Fenster bei mehreren zehntausend Lux liegt.
Die Wand nach dem Fenster wählen
Die Wand, die in einem Raum am wenigsten direktes Licht bekommt, ist meist die Fensterwand selbst; am meisten bekommt die Wand genau gegenüber. Auf der Nordhalbkugel bringen Fenster nach Süden und Westen das stärkste Licht des Tages, Räume nach Norden erhalten ein ruhigeres, diffuses Licht. Wer unsicher ist, schaut an einem sonnigen Tag dreimal auf die Wand, morgens, mittags und am Nachmittag: Fällt ein Sonnenfleck dorthin, wo das Bild hängen soll, ist der Platz ungeeignet.
Wege, das Licht zu verringern
Ein Store streut das Licht und senkt seine Stärke. Eine UV-Schutzfolie auf der Fensterscheibe hält den größten Teil der ultravioletten Strahlung zurück, lässt aber sichtbares Licht durch; das Ausbleichen wird langsamer, es hört nicht auf. UV-Glas wirkt auf dieselbe Weise. Bei der Beleuchtung geben LEDs weniger Wärme ab als Halogen und kaum ultraviolette Strahlung; rücken Sie den Strahler trotzdem nicht nah an das Bild und lassen Sie ihn nicht den ganzen Tag brennen.
Bilder pflegen Schritt für Schritt: der Pflegeplan
Der erste Schritt ist das Abstauben: je nach Raum einmal im Monat bis alle drei Monate, von oben nach unten, je nach Oberfläche mit Pinsel oder trockenem Mikrofasertuch.
Der zweite Schritt ist die Kontrolle zum Jahreszeitenwechsel. Betrachten Sie das Bild dann von der Seite, im Streiflicht: Gibt es Wellen, Beschlag, Flecken, lockeres Gewebe oder eine geöffnete Ecke? Damit die Kontrolle nicht vergessen wird, knüpfen Sie sie an einen Kalender, den Sie ohnehin verfolgen, etwa an die großen Turnierwochen der Saison; die Spiele der Woche stehen in Tennis aktuell.
Der dritte Schritt ist ein Blick auf das Hygrometer, wenn die Heizung an- und wenn sie abgestellt wird. Hat sich der Wert innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich verändert, überdenken Sie den Platz des Bildes oder das Lüften des Raums.
Der vierte Schritt ist, das Bild einmal im Jahr abzunehmen. Fassen Sie es mit beiden Händen an den Seiten; tragen Sie es nicht an der oberen Leiste oder am Aufhängedraht. Auf der Rückseite werden Staub, Schimmelflecken, Insektenspuren und der Zustand des Abklebebands geprüft.
Der fünfte Schritt ist, am selben Tag die Aufhängung zu prüfen: Draht, Haken, Schrauben und der Dübel in der Wand. Eine gelockerte Aufhängung ist der größte Schaden, den Pflege verhindern kann.
Der sechste Schritt ist eine Notiz: Datum und ein Satz genügen. Eine Veränderung fällt erst auf, wenn man sie mit dem früheren Zustand vergleicht.
Häufige Fehler beim Bilder reinigen und pflegen
Glasreiniger direkt auf das Glas zu sprühen ist der erste Fehler; die Flüssigkeit läuft an der Unterkante hinein und hinterlässt eine Welle im Passepartout.
Acrylglas mit Küchenpapier zu wischen oder über trockenen Staub zu reiben ist der zweite. Die Kratzer sieht man nicht einzeln, die Oberfläche wird aber mit der Zeit matt.
Eine Leinwand mit einem feuchten Tuch „aufzufrischen“ ist der dritte.
Ein Bild in die Nähe von Heizkörper, Klimaanlage oder Herd zu hängen ist der vierte.
Sich auf UV-Glas zu verlassen und die Arbeit an eine sonnige Wand zu hängen ist der fünfte.
Einen Fleck zu Hause entfernen zu wollen ist der sechste: Radiergummi, Spülmittel und Hausmittel vergrößern den Fleck oder lassen die Fläche glänzen.
Ein Bild beim Tragen mit der Vorderseite an den Körper zu lehnen ist der siebte; Knöpfe, Reißverschlüsse und Gürtelschnallen verkratzen.
Nur die Vorderseite zu pflegen ist der achte. Die meisten Probleme zeigen sich zuerst auf der Rückseite.
Wann man zur Fachkraft geht
In diesen Fällen wird zu Hause nicht eingegriffen: Schimmel, braune Flecken, die sich im Papier ausbreiten, Feuchtigkeit oder ein Insekt hinter dem Glas, ein Riss, Farbe, die sich hebt oder abblättert, deutlich durchhängendes Gewebe, eine Arbeit, die Wasser abbekommen hat. Bei Drucken erneuert meist eine Rahmenwerkstatt Glas, Passepartout und Rückwand; bei originalen Öl- und Acrylgemälden ist eine Restauratorin oder ein Restaurator die richtige Adresse.
Ist ein Bild nass geworden, nehmen Sie es von der Wand, legen Sie es flach mit der Vorderseite nach oben und lassen Sie es bei Raumtemperatur von selbst trocknen. Kein Föhn, kein Heizkörper, kein Wischen über die Oberfläche. Klebt das Papier am Glas, versuchen Sie nicht, es zu lösen; bringen Sie es so, wie es ist, zur Fachkraft.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte man Bilder reinigen?
Abstauben genügt je nach Raum einmal im Monat bis alle drei Monate. Feucht gereinigt werden nur Acrylglas und Glas, und auch das nur bei Bedarf; Leinwand wird immer trocken gereinigt.
Darf man ein Leinwandbild feucht abwischen?
Nein. Feuchtigkeit verändert die Spannung des Gewebes und kann auf der bedruckten Fläche Flecken hinterlassen. Ein weicher Pinsel oder ein trockenes, fusselfreies Tuch genügt.
Kann man ein Bild an eine sonnige Wand hängen?
Nicht dorthin, wo ein Sonnenfleck direkt hinfällt; UV-Glas verlangsamt das Ausbleichen, hält es aber nicht auf. Im selben Raum ist die Fensterwand oder eine Seitenwand, die die Sonne nie erreicht, sicherer.
Welche Luftfeuchtigkeit ist ideal für Bilder?
Als allgemein anerkannt gilt ein Bereich von 40–60 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Ebenso wichtig wie die Zahl ist, dass sie sich langsam ändert; plötzliche Schwankungen belasten Papier und Holz.
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